Fachartikel
für die Erbrechtspraxis.
Pflichtteilrecht, KI-Bewertung, Marktwertbestimmung und Praxis-Workflows — kuratiert aus über zwanzig Jahren e-findo-Erfahrung.
Erbengemeinschaft teilen: woran es wirklich scheitert
Die Auseinandersetzung der Erbengemeinschaft ist rechtlich knapp geregelt: § 2042 BGB verweist ins Gemeinschaftsrecht, § 2046 verlangt zuerst die Berichtigung der Schulden, § 2047 verteilt den Überschuss nach Erbteilen. Der Streit entsteht trotzdem fast nie über die Rechtsfolge, sondern über die Zahl, die in der Rechnung steht. Dieser Beitrag zeigt, warum jeder Teilungsplan an einer bewerteten Bestandsaufnahme hängt — und an welchen Stellen das Gesetz zwei verschiedene Stichtage verlangt.
Nachlasspflegschaft: Belegpflicht seit 2023
Wer eine Nachlasspflegschaft führt, schuldet dem Nachlassgericht als Erstes ein Vermögensverzeichnis — mit Versicherung der Richtigkeit und Vollständigkeit. Seit der Reform 2023 verweist das Gesetz dafür ins Betreuungsrecht, und dort steht ein Satz, der die Praxis verändert: Die Angaben sind in geeigneter Weise zu belegen.
§ 43e BRAO: KI-Software in der Kanzlei prüfen
Die Frage nach dem Einsatz KI-gestützter Software kommt in Kanzleien immer seltener aus der IT und immer häufiger aus dem Berufsrecht. Maßgeblich ist nicht zuerst die DSGVO, sondern § 43e BRAO — und der stellt Anforderungen, die viele Anbieter nicht erfüllen. Eine Prüfungsreihenfolge in sieben Schritten, mit einer Checkliste zum Mitnehmen.
KI-Verzeichnis: notariell oder privatschriftlich
Darf künstliche Intelligenz beim Nachlassverzeichnis helfen? Die Fachdiskussion ist skeptisch — und hat beim notariellen Verzeichnis auch gute Gründe. Beim privatschriftlichen Verzeichnis nach §§ 2314, 260 BGB liegt die Sache jedoch grundlegend anders: Dort ist KI ein Hilfsmittel wie die Tabellenkalkulation. Eine Differenzierung in sechs Schritten.
§ 1932 BGB: Hausrat, Voraus und Erbengemeinschaft
Möbel, Schmuck, Geschirr, die Uhrensammlung: Kaum ein Teil des Nachlasses löst so schnell Streit aus wie der Hausrat. Wer bekommt was — der überlebende Ehegatte über den Voraus nach § 1932 BGB, die Erbengemeinschaft als Ganzes, oder einzelne Miterben? Dieser Beitrag ordnet die Eigentumsfrage, erklärt den Dreißigsten und zeigt, warum eine belegte Bewertung die Voraussetzung jeder fairen Verteilung ist.
§ 2215 BGB: Verzeichnis des Testamentsvollstreckers
Wer ein Testamentsvollstrecker-Amt annimmt, schuldet dem Erben als Erstes ein Nachlassverzeichnis — unverzüglich, datiert und unterschrieben. Was § 2215 BGB genau verlangt, welche Formrechte der Erbe hat, warum das Verzeichnis ohne belastbare Werte in der Praxis nicht trägt und wo die Haftungsfalle des § 2219 BGB lauert.
Hausrat im Erbfall: Verkehrswert statt Pauschale
Den Hausrat im Erbfall zu schätzen ist die unterschätzteste Aufgabe der Nachlass-Wertermittlung — und die häufigste Streitquelle. Warum der Verkehrswert zählt (nicht Neu- oder Versicherungswert), weshalb pauschale Schätzungen den Streit ums Erbe befeuern und wie sich Hausrat, Schmuck und Sammlerstücke nachvollziehbar bewerten lassen.
Krypto und Digitales im Nachlassverzeichnis
Bitcoin, Wallets, Online-Konten, Domains, Bonusmeilen — digitales Vermögen ist vererblich, taucht aber in keinem Register auf. Über die Gesamtrechtsnachfolge nach § 1922 BGB, die BGH-Rechtsprechung zum Kontozugang und das doppelte Problem von Auffinden und Bewertung.
Vor der Rechtsfrage: wo Mandatszeit verloren geht
Die Legal-Tech-Debatte fragt, wie KI anwaltliche Arbeit ersetzt. Die wirtschaftlich relevantere Frage lautet: Wie standardisieren wir die Schnittstelle zwischen Mandant und Kanzlei? Ein Fachbeitrag über Effizienz, Berufsrecht und die richtige Architektur.
§ 1379 BGB: Vermögensverzeichnis im Zugewinn
Beim Zugewinnausgleich scheitert es selten an der Rechenformel — sondern an der belegten Aufstellung des Vermögens zu den Stichtagen. Über den Auskunftsanspruch nach § 1379 BGB, die zwei maßgeblichen Zeitpunkte und das unterschätzte Problem der Bewertung beweglichen Vermögens.
Stufenklage Pflichtteil: § 254 ZPO in drei Stufen
Der Auskunftsanspruch nach § 2314 BGB ist nur die halbe Miete — entscheidend ist, wie er sich durchsetzen lässt, wenn die Erbenseite mauert. Über § 254 ZPO, die drei Stufen, die Vollstreckung und die unterschätzte Verjährungsfalle.
KI im Nachlassverzeichnis: Entlastung und Grenzen
Computer Vision liest Möbel, Schmuck und Markenartikel von Fotos. Was das für die Pflichtteilsbearbeitung bedeutet, welche Audit-Pflichten EU-AI-Act und Berufsrecht setzen, und an welcher Stelle anwaltliche Expertise unverzichtbar bleibt.
Spezialposten im Nachlass belegbar bewerten
Markenuhren, Edelmetalle, Sammelobjekte, Kunst — die Positionen, an denen ein Pflichtteilsverzeichnis am häufigsten angreifbar wird. Welcher Wertbegriff zählt, welche Quellen halten vor Gericht stand, und wann der Sachverständige unverzichtbar ist.
§ 2314 BGB: Nachlassverzeichnis in der Kanzlei
Pflichtteilsberechtigte haben Anspruch auf ein vollständiges Verzeichnis des Nachlasses. Was das in der Praxis bedeutet — von Auskunftspflicht über Wertermittlung bis zur nachvollziehbaren Dokumentation.
Pflichtteilrecht: BGH-Rechtsprechung 2024–2026
Vier Entscheidungen, die das Pflichtteilsverfahren in den letzten zwei Jahren verändert haben: Zur Wertermittlung, zur Auskunftspflicht, zur Pflichtteilsergänzung bei Schenkungen und zum digitalen Nachlassverzeichnis. Was sich für die Praxis konkret ändert.
Valoro im Erbrecht: von der Aufnahme zum PDF
Vom ersten Foto bis zum nachvollziehbar dokumentierten PDF: die acht Schritte, die zwischen Mandatsannahme und Nachlassverzeichnis nach § 2314 BGB liegen — und wie sich Sammelarbeit im Mandat reduziert.