Wie funktioniert Valoro? Eine Tour durch das Erbrecht-Modul — von Foto bis RFC-3161-Zeitstempel
Vom ersten Foto bis zum gerichtsfest signierten PDF: die acht Schritte, die zwischen Mandatsannahme und vollständigem Nachlassverzeichnis nach § 2314 BGB liegen — und wie sich der Aufwand pro Mandat von Tagen auf Stunden reduziert.
Wer sich Valoro zum ersten Mal anschaut, sieht eine schlichte Mandatsliste mit Statuspills. Was darunter passiert, ist weniger sichtbar — aber genau das macht den Unterschied zur klassischen Excel-Liste aus. Dieser Artikel führt durch den Workflow eines typischen Erbrechts-Mandats, vom Foto-Upload bis zum gerichtsfesten PDF.
Schritt 1: Mandat anlegen
Im Kanzlei-Dashboard ein neues Mandat erstellen dauert weniger als eine Minute: Erblasser, Todestag, Aktenzeichen. Aus diesen drei Feldern entstehen automatisch zwei Datenstrukturen: das Nachlass-Inventar (anfangs leer) und die Anspruchsberechtigten-Liste (anfangs leer).
Die Akte ist damit angelegt — alles Weitere ist Erfassung.
Schritt 2: Anspruchsberechtigte erfassen
Vor der eigentlichen Inventur tragen Sie ein, wem überhaupt etwas zusteht: Erben (testamentarisch oder gesetzlich), Pflichtteilsberechtigte, Vermächtnisnehmer. Pro Person mit Anteil als Bruch (z.B. 1/4), Rolle (Pflichtteilsberechtigt, Vermächtnisnehmer, …) und optional Anschrift.
Diese Liste wird später Teil des § 2314-BGB-Verzeichnisses und sorgt für die korrekte Adressierung im PDF-Export.
Schritt 3: Erfassung — durch Kanzlei oder Erbe
Hier teilt sich der Workflow in zwei Varianten:
Variante A: Die Kanzlei erfasst. Sie machen die Begehung selbst, fotografieren mit dem Smartphone, laden die Bilder direkt im Mandate-Dashboard hoch. Pro Position genügt ein Foto und ein Klick auf „KI-Analyse starten".
Variante B: Die Mandantschaft erfasst. Sie generieren im Mandatsbereich einen Einladungslink — eine eindeutige URL, die die Mandantschaft (typisch: der Erbe selbst) im Browser öffnen kann. Kein Konto, kein Passwort, kein App-Download. Die Mandantschaft macht die Fotos in ihrer eigenen Geschwindigkeit, die Items erscheinen live in Ihrem Dashboard.
Variante B ist häufig der Game-Changer: Sie haben oft Klienten, die nicht zwei Termine investieren wollen — aber die fünfzehn Minuten am Sonntagabend mit dem Handy in der Hand schaffen sie.
Schritt 4: KI-Vision-Bewertung
Jedes hochgeladene Foto durchläuft eine multimodale Vision-Analyse. Das Modell — derzeit ein produktionsstabiles Vision-LLM auf AWS Bedrock — liefert:
- Eine freitextliche Beschreibung des Gegenstands (Material, Marke wenn erkennbar, Zustand, geschätzte Größe)
- Eine Kategorisierung (Möbel, Elektronik, Schmuck, Hausrat, Uhren, Sammlung, Kunst, …)
- Einen Wertvorschlag als Spannweite mit zentralem Schätzwert
Diese drei Ausgaben sind Vorschläge, nicht Wahrheit. Sie sind sofort bearbeitbar. Die Kanzlei sieht in der Item-Detail-Ansicht: KI-Empfehlung, Quelle (welches Modell hat geantwortet), und kann mit einem Klick übernehmen, korrigieren oder eigenen Wert eintragen. Was Sie ändern, bleibt nachvollziehbar — sowohl die KI-Empfehlung als auch die finale Entscheidung sind dokumentiert.
Schritt 5: KI-Marktwert-Recherche (optional)
Für Items, bei denen der reine Bildkontext nicht ausreicht — typische Beispiele sind Markenuhren, Sammlerstücke oder Designermöbel — können Sie einen Web-Research-Lauf starten. Die KI durchsucht öffentliche Quellen (Auktionsplattformen, Händlerseiten, Gutachterportale) und liefert vergleichbare Verkaufspreise, jeweils mit Quellenangabe als URL.
Die zitierten Quellen erscheinen später im PDF-Anhang — der Pflichtteilsberechtigte (und ggf. ein Gericht) sieht damit nicht nur „2.300 €", sondern auch wo diese Zahl herkommt.
Für Edelmetalle gibt es einen zusätzlichen Schritt: tagesaktueller Goldkurs-Abgleich. Bei einem Schmuckstück mit 18-Karat-Goldgewicht von 12g ist der Materialwert ein nicht-verhandelbarer Floor — und der wird automatisch eingerechnet.
Schritt 6: Status-Workflow
Jedes Item durchläuft Status: Zu prüfen → Klärung → Finalisiert. Sonderstati: An Sachverständigen (wenn ein professioneller Gutachter nötig ist).
In der Mandate-Übersicht sehen Sie auf einen Blick: „Mandat hat 47 Items, davon 41 finalisiert, 4 in Klärung, 2 an Sachverständigen verwiesen". Das ist die Information, die Sie brauchen, um der Mandantschaft den Sachstand zu erläutern, ohne jedes Mal das ganze Inventar durchzuklicken.
Schritt 7: PDF-Export
Wenn das Inventar steht, generieren Sie das §-2314-BGB-konforme Verzeichnis als PDF. Der Export enthält:
- Stammdaten (Erblasser, Todestag, Aktenzeichen)
- Anspruchsberechtigte mit Quoten und Pflichtteil-Status
- Inventar gruppiert nach Räumen, mit Position, Beschreibung, Wert und Wertquelle (KI / Recherche / manueller Eintrag)
- Foto-Anhang: jedes Item mit Nummer-Verknüpfung
- Quellen-Verzeichnis: bei Web-Research-basierten Werten die URLs
Das PDF ist sofort versandfertig.
Schritt 8: Gerichtsfeste Beweissicherung
Hier kommt der Schritt, der Valoro vom „PDF-Generator" zum gerichtsfesten Beweismittel macht: Vor dem finalen Download wird das PDF mit einem SHA-256-Hash versehen und an eine anerkannte Time-Stamping-Authority geschickt — konkret FreeTSA, eine Implementierung nach RFC 3161 (dem internationalen Standard für Zeitstempel-Dienste).
Was dieser Zeitstempel leistet: Er bestätigt unabhängig und kryptografisch, dass genau dieses PDF zu genau diesem Zeitpunkt in seinem aktuellen Bytezustand existiert hat. Wer das PDF später ändert — und sei es nur eine Kommastelle — der Hash passt nicht mehr, und der Zeitstempel wird beim Gegenbeweis ungültig.
Vor Gericht hat dieses Vorgehen einen sehr konkreten Effekt: Wenn der Pflichtteilsberechtigte behauptet, das Verzeichnis sei nachträglich manipuliert worden, kann der Erbe das Gegenteil mathematisch beweisen.
Versions-Historie
Wenn nach dem ersten Export noch Items hinzukommen oder Werte korrigiert werden — was im Verlauf eines Mandats fast immer passiert — erzeugen Sie eine neue PDF-Version. Beide Versionen bleiben im System mit eigenem Zeitstempel und Download-Link. So ist nachvollziehbar, was zu welchem Zeitpunkt der dokumentierte Stand war.
Was bleibt anwaltliche Arbeit?
Die juristische Bewertung der Quoten. Die Plausibilisierung des Verzeichnisses gegen den Erblasser-Lebensstil. Die Schweigepflichtsabwägung gegenüber Mit-Erben. Die Auseinandersetzung mit Pflichtteilsberechtigten — schriftlich, im Termin, im Gericht.
Was nicht mehr anwaltliche Arbeit ist: Tabellen pflegen, Marktpreise recherchieren, PDFs zusammenstellen, Excel-Fehler beheben. Diese Tätigkeiten sind ab heute nicht mehr Teil der Mandatszeit, sondern Teil eines automatisierten Workflows.
Was es kostet
Das Valoro-Erbrecht-Modul ist für Kanzleien kostenlos — sie sind Vertriebskanal, nicht zahlende Partei.
Während der Pilotphase ist auch der Bericht-Export für die Mandantschaft vollständig kostenfrei. Mit dem regulären Launch werden die Tier-Pauschalen aktiv: 149 € (bis 50.000 € Sachwert), 399 € (50.000–250.000 €), 799 € (250.000 € – 1 Mio. €), 1.499 € (über 1 Mio. €). Pilot-Kanzleien und ihre Mandantschaft behalten ihre kostenfreien Berichte auch nach Launch.
Pilot-Programm für Kanzleien: 90 Tage kostenlos, alle Features, direkter Support. Pilotprogramm anfragen.
Weitere Insights: § 2314 BGB im Anwaltsalltag, KI in der Kanzlei.